Mittwoch, 24. Oktober 2007

Die Inder und ihre Festivals ;-)

Vor zwei Wochen begann eines der unzähligen Festivals in Indien. Die Inder haben wirklich tausend Gründe um Feste zu feiern und das tun sie dann auch ausgiebig! Wir wollten natürlich nichts verpassen und machten uns auf zum Bazar um indische Festklamotten zu kaufen. Wir hatten natürlich keine Ahnung von Groessen, Preisen, Stil, aber wir bekamen Unterstützung von echten Inderinnen, welche uns dann auch auf das Fest begleiteten ;-) Navratri ist ein 9- tägiges Tanzfestival bei dem sich alle Frauen schmücken und sich mit ihren schönsten Gewändern kleiden, die Männer ihre traditionellen Kostüme mal wieder aus dem Schrank holen. Wir brauchten zwei Stunden um uns anzuziehen, weil sich drei Leute einfach nicht einigen konnten wie die Tücher nun am Besten gebunden werden..........hihi. Letzten Dienstag waren wir das erste Mal auf diesem Fest und wir waren so beeindruckt, das wir ein paar Minuten gar nicht sprechen konnten. Das Gelände ist ein großer, kreisförmiger Platz, in der Mitte eine Bühne mit Band. Vor dem Platz zogen wir die Schuhe aus, denn man tanzt barfuss auf dem weichen Sand. Als wir uns auf die Tanzfläche schoben, wurden wir sofort von einem Strudel erfasst, denn tausende Menschen tanzen immer weiter im großen Kreis. Und diese Farben!! All diese Gewänder, der Schmuck, die Musik...............wieder mal unbeschreiblich........Als wir den nächsten Morgen aufwachten fragten wir uns ob es ein Traum war oder Wirklichkeit.
Am Mittwoch waren wir dann auf einem Festplatz nur für Kinder mit unseren Jungs: 25 Jungs in einen Jeep und los ging’s................auch dort wieder diese unglaubliche Farbenvielfalt..........als wir ankamen konnten wir uns von Kindern die uns umringten, Händen, Kameras und Fragen nicht mehr retten. Naja, wahrscheinlich fanden uns die meisten einfach nur witzig, als Weiße in diesen Gewändern und neben tanzenden Inderinnen sehen wir ja aus wie steife Eisblöcke ;-) Wir hatten richtige Bodyguards, welche Unterstützung von unseren Jungs bekamen ;-) Trotzdem, ein komisches Gefühl. Wir wurden dann noch angesagt und bekamen die große Ehre an einem Hinduritual teilnehmen zu dürfen. Wir mussten uns vor einen Shivaaltar stellen, alle anderen standen um uns herum............dann mussten wir einen Teller mit einer Kerze circa zehn Minuten rumschwenken und noch einige andere Zeremonien über uns ergehen lassen, am Ende gab es mal wieder einen roten Punkt auf die Stirn und der Guru versprach immer für uns zu beten ;-) Navrartri war am Samstag vorbei, Sonntag war schon ein anderer Feiertag, keine Ahnung wie der hieß......ich seh hier nicht mehr durch, auf jeden Fall haben alle Leute ihre Arbeitsgeräte und Fahrzeuge sauber gemacht, mit Blumen behangen.............von Festen in Indien werde ich bestimmt noch viel berichten können. ;-)

Navrartri....





Samstag, 13. Oktober 2007

Mein kleines Reich....

Blick aus unserem Zimmer














meine Zimmerecke ;-)

Alltag.........!?

In den letzten Wochen haben wir uns richtig gut eingelebt in Indien. Wir haben nun einen vollen Tagesplan: Gestaltung der Hobbytime, eigene Englischklassen, Sporttraining, Hilfe beim Duschen der Kleinsten, Wäsche waschen.............nebenbei bekommen wir noch Hindiunterricht und das Ok für die Gestaltung der grauen Wände haben wir jetzt auch *jipieh* !!
Eigentlich haben wir somit also einen geregelten Tagesablauf, könnte man denken, :-) aber Alltag kann man es nun wirklich nicht nennen, denn hier passiert jeden Tag etwas Neues, Unerwartetes. Oft fallen Stunden aus, dafür müssen wir woanders wieder einspringen............Manchmal haben unsere lustigen Patres auch ganz spontane Ideen, z.B. gestern beim Frühstück hatten sie unbedingt Lust nachmittags mit uns ins Kino zu gehen.......Haben wir dann auch gemacht! War sehr witzig. Der Film war auf Hindi, ist aber gar nicht so schlimm gewesen, denn wir hatten ja drei Patresübersetzer dabei :-) In den nächsten Tagen wollen wir Saris kaufen gehen! Donnerstag startete nämlich ein 9-taegiges Fest in Baroda, bei welchem alle Frauen und Mädchen in ihren festlichen Saris tanzen....Das sieht so wunderschön und farbenfroh aus. Männer müssen Eintritt bezahlen wenn sie auf das Gelände wollen :-)
Letzte Woche haben wir das Mc Donalds in Baroda entdeckt: Der Chef kam uns nett fragen ob uns denn das Essen schmeckt (jaja.....die Hautfarbe) und ob wir nicht Lust hätten eine kleine Führung mit zu machen..........natürlich hatten wir Lust und so bekamen wir lustige Häubchen und wurden Zeugen, dass Mc Donalds sogar im hygienefreien Indien steril und sauber ist ;-). Hatten somit auch das Vergnügen im tiefsten Indien ein paar Minuten bei -20 Grad zu verbringen: im Kühlhaus in dem die vegetarischen Burger aufgehoben werden..........*hihi* Dieses Restaurant ist nun immer unser Zufluchtsort wenn uns der eigentlich sehr leckere Reis doch mal wieder zum Halse raushängt.......*hihi*
Letzte Woche hatten die Kinder einen Tag schulfrei (was hier öfter mal spontan passiert, entweder weil der Monsun so stark ist oder zur Verehrung irgendwelcher Götter........), diesmal zur Verehrung Gandhis. Ein Junge lies sich die Haare abscheren und drückte mir weiße Farbe in die Hand, so sollte ich ihm Haare, Schnurrbart und Brusthaare anmalen.............Er war die Hauptperson im Gandhit-Verehrungs-Theaterstueck :-)
Überhaupt bekommen wir nun immer mehr von der vielfältigen indischen Kultur mit.............Tradition, tief verwurzelt mit Religion, im Kampf gegen Moderne und Verwestlichung. Einerseits tragen über 90 % Prozent der Menschen traditionelle Gewänder, doch immer öfter sieht man besonders Jugendliche in westlicher Kleidung. Im Fernsehen laufen Serien, genau wie in Deutschland, Werbung, halbnackte Mädchen in Musikvideos, viele Weiße................auf der anderen Seite das Starren, Kopfschütteln wenn ein Mädchen mal Hosen trägt die nicht bis ganz über die Knöchel gehen.............Unser Internetcafebesitzer geht jede Stunde zu seinem kleinen Ganeshaaltar (hat jeder Laden, Haushalt hier, sehr kitschig :-) ) ........genauso normal wie die kleinen Altäre am Straßenrand zu denen Opfergaben gebracht werden..........
Jaja, die Inder..........die meisten die ich kennen gelernt habe sind sehr nett, witzig, hilfsbereit...........das Einzige was wir noch nicht ganz nachvollziehen können ist, dass sie wirklich kein Klopapier benutzen auf den lustigen Loch-Im-Boden-Toiletten...;-)....( wir haben hier eine Europäische, Puuh)..........
Nun zurück zu unserem Heim und meinen Aufgaben, die teilweise schon ziemliche Herausforderungen sind, aber trotzdem viel Spaß machen........So gebe ich nun einem Küchengehilfen ein bisschen Englischunterricht, er kann nur leider kein Wort Englisch und ist auch noch Hindi-Analphabet. So muss ich ihm versuchen mit Händen und Füßen ein bisschen Englisch beizubringen............Auch ist es nicht ganz so einfach 20 kleinen, frechen Jungs Englischuntericht zu geben oder Spiele, bzw. Bastelsachen beizubringen, ohne ihre Sprache zu beherrschen........Aber wir sind ja kreativ :-) In den letzen Stunden habe ich mit einigen Jungs Jonglierbälle aus Luftballons und Sand gebastelt..........nun bin ich dabei ihnen ein wenig jonglieren beizubringen...........nächste Woche starten wir mit einem Theaterstück für Weihnachten. Das Problem bei uns im Heim ist, dass nur circa 70% der Jungs immer hier sind, der Rest wechselt ständig. Das heißt einige Neue kommen her, andere verlassen das Heim und entscheiden sich wieder für das Leben auf der Strasse. Es nimmt einen schon ziemlich mit, wenn Jungs die man lieb gewonnen hat plötzlich nicht mehr da sind und man weiß, dass sie sich für ein so schreckliches, perspektivloses Leben entscheiden, ihre Chance die sie hatten aufgeben. Doch man kann sie ja nicht anketten! Man kann sich oft nicht vorstellen was diese kleinen Jungs für eine Vergangenheit hatten, ohne Familienleben, missbraucht...........niedliche, pfiffige schutzsuchende liebesbedürftige Kinder.

Einem Jungen muss ich nun mal schnell ein paar extra Zeilen widmen: Joseph. Er ist circa so alt wie ich und kam zu uns ins Heim, weil ein Anderes in dem er wohnte aufgelöst wurde. Die Kinder dieses Heims wurden also aufgeteilt, Freundschaften zerrissen......Joseph hat nur einen Arm, und an diesem auch nur zwei Finger. Trotzdem ist er so ein lebensfroher Typ, er strahlt meistens mit seinen weißen Zähnen, spielt Basketball, Tischtennis, Kricket (Inder sind so verrückt nach diesem Sport!), Volleyball so gut er kann, kümmert sich um die Kleineren......Er kann sehr gut Zeichnen und sein Traum ist es Designer zu werden. Man fragt sich oft, woher nimmt er seine Kraft, seinen Mut, seine Freude..........Es ist so bewundernswert und aufbauend! Seit letzter Woche hat er eine Art Ausbildung: Als Zeichenschüler oder so was in der Art........:-)

In letzter Zeit hatten wir ziemliche Probleme mit unserem Visum, was ziemlich nervenaufreibend war. Wir haben nur ein Visum für ein halbes Jahr und in Indien ist es nicht möglich es zu verlängern, also müssen wir ausreisen und wieder einreisen..........aber das ist alles so kompliziert!
Gestern haben wir den ganzen Abend getanzt..........das war so schön und lustig. Die Inder haben eine ganz andere Art beim Tanzen, die Bewegungen sind viel fliessender.....Schon die Kinder sind ganz verrückt nach Musik, können sehr gut tanzen.

Die allerliebsten Grüsse in die schöne Heimat

sendet euch Anna aus dem sonnigen, 40 Grad heißem Indien.............Bei euch beginnt nun der Herbst, oder? *hihi*


Achso: Falls jemand Fragen hat, lasst es mich wissen! Dann ist es für mich einfacher die Berichte interessant zu machen..............

neue Eindrücke















Blick auf die Straße.......













































Gandhifest.......





























Obstverkäufer auf den Straßen