Dienstag, 4. Dezember 2007

Snehalaya

Und nun noch ein paar Neuigkeiten zum Heim und unseren Jungs. Durch meine Berichte könnte man wahrscheinlich fast denken, dass wir hier ausser feiern nicht wirklich viel machen ;-) Aber der Alltag im Heim ist für uns halt normal und deshalb berichte ich darüber nicht so viel. Obwohl auch hier jeder Tag anders und voll schöner Erlebnisse und Erfahrungen ist.
Wir wollen nun jeden Sonntag ein bisschen Weihnachtsstimmung aufkommen lassen und haben für die Kinder eine Art Adventskalender vorbereitet. Natürlich nicht für jeden Tag, da es ja teilweise über 90 Jungs sind und nicht alle immer da sind. So aber wenigstens jeden Sonntag. Am 1. Advent erzählten wir über die Weihnachtszeit in Deutschland, über Menschen die in dem fernen Land gerade in dieser Zeit auch an sie denken.....Wir haben für jeden Jungen einen Drachen gekauft und die Freude war so unbeschreiblich groß!! Wir haben für diese 90 Drachen circa 12€ ausgegeben, mit so wenig Geld kann man so viel erreichen und Freude zaubern ;-) Am nächsten Sonntag wollen wir Handtücher verteilen, da es abends wenn die Jungs duschen nun doch schon relativ frisch ist.
Letzten Samstag sind unsere Jungs mal wieder zu einem Fussballturnier angetreten. Den abend davor gab es einige Tränen, weil sie Angst hatten wieder gehänselt zu werden, da sie keine Schuhe haben. Ich konnte mir zwar auch denken, dass sie einfach Schiss hatten, weil sie nun mal nicht so gut sind, aber naja ;-) Barfuss spielen ist ja wirklich gemein. Fuer 100 € bekommt man hier auch 20 Paar Schuhe, Strümpfe und Schienbeinschoner, haben wir von Spendengeldern bezahlt. Die Jungs waren so glücklich und nachdem wir Fanbanner gebastelt haben ging es zum Turnier, Ein Spiel haben sie sogar gewonnen!!
Was mich immer wieder schockt, bzw.was sehr erschreckend fuer mich ist, dass es fuer mich schon so normal ist, sind die Behinderungen mancher Jungs. Fehlende Ohren, Arme, Beine, manchmal kommt ein Junge welcher nur auf den Händen läuft, da er keine Beine mehr hat usw. Aber diese Jungs leben so gut mit ihren Behinderungen, in Europa wäre dieser Umgang mit den Krankheiten niemals denkbar. Stöcke als Prothesen, einfach irgendwie durchschlagen.
Am Donnerstag ist ja Nikolaus, wir wollen am Vorabend die Nikolausgeschichte erzählen und uns dann nachts in die Schlafräume schleichen und kleine Süssigkeiten unter die Kissen schieben ;-). Am Wochenende fahren wir nach Bombay, dort ist ein Kurs von DonBosco, welcher zeigen soll, wie man kleinen Kindern besser Englisch beibringt. Nächste Woche fahren fast alle Angestellten zu einem Meeting nach Goa, wir müssen uns also irgendwie durchschlagen. Weihnachten wird im Heim schon am 21. Dezember gefeiert, danach fahren wir nach Bombay ins Provincialhouse und hoffen dort ein wenig Weihnachtsstimmung abzubekommen ;-). Danach geht es ueber Sylvester nach Goa, wir treffen uns dort mit anderen Volontaeren aus ganz Indien.

Bis dahin eine wunderschoene, ruhige Adventszeit................Bei diesem Klima hier will einfach keine Winterstimmung aufkommen ;-)

Hochzeitsbilder












































































Hinduhochzeit

Letztes Wochenende waren wir zu einer Hinduhochzeit eingeladen. Die Tochter einer Lehrerin der DonBosco- Schule sollte verheiratet werden und wir waren eingeladen! Freitag fand eine HennaMahindy- Zeremonie statt. Dabei bemalen Frauen der Braut ihre Füsse, Hände und Arme wunderschön mit Farbe an. Am Samstag war dann eine Art Brautverabschiedung, wieder nur für Frauen. Dort sind wir eher spontan gelandet, deshalb auch unser nicht sehr passendes Outfit auf dem Photo. Alle Frauen saßen in einem großen Raum, auf der Bühne tanzte immer die Braut mit verschiedenen Frauen. Teilweise war das wiedermal sehr verrückt und natürlich konnten wir uns mal wieder nicht dagegen wehren auch zu tanzen ;-) Beim letzten Tanz, wuselten einige Frauen mit Geldscheinen um die Braut herum, ein Brauch damit das Ehepaar nie in Armut leben muss. Die Stimmung war gut und danach gab es noch leckeres Essen.
Die eigentliche Hochzeit fand dann am Sonntag statt. Zuerst hieß es dann mal wieder Saribinden und mit klobigem Schmuck behängen, zur Info: So ein Outfit wie wir es auf einem Foto anhaben, mit Schmuck und allem drum und dran kostet circa 15 €! Diese Stoffe hier sind echt so schön....
Das Hochzeitsgelaende war so pompös geschmückt, überall Blumen und Stoffe, Altäre eine riesige Bühne. 500 Gäste wurden erwartet. Der Bräutigam wurde in einem Auto vorgefahren, vor ihm eine Blaskapelle, die Familie tanzte im Zug, an den Seiten des Zuges Frauen welche Kronleuchter auf den Köpfen trugen. Als der Bräutigam auf das Festgelände kam wurde er mit einem Feuerwerk begrüßt und musste dann einige Riten seines Gurus über sich ergehen lassen. Und dann ging es zu dem riesigen, natürlich vegetarischen Buffet. Alles wurde vorort frisch zubereitet, von den Köchen persönlich serviert.
Die Braut kam dann später hinzu und das Paar platzierte sich auf der Bühne und nahm Geschenke und Glueckwünsche entgegen. Normalerweise müssen die Eltern der Braut den gesamten Hochzeitstag fasten, da der Brautvater aber verstorben ist mussten dies Onkel und Tante tun. Die eigentliche Trauungszeremonie fand dann um 23:20 statt. Diese Uhrzeit wird genau nach den Sternen berechnet.....Zuerst gibt es eine Sitzung nur fuer die Braut, dann eine Gurusitzung nur fuer den Mann und dann eine fuer beide zusammen. Insgesamt eine Menge Weihrauch, Sanskritgemurmel und Hokuspokus. Die ganze Zeremonie dauert bis in die frühen Morgenstunden, danach muss dass Paar 7mal durchs Feuer springen, dann sind sie verheiratet. Übrigens machen sich die Inder einen Spass daraus bei Hochzeiten den Bräutigamsschuh zu klauen und ihn dann zu versteigern, kennen wir doch irgendwoher..... ;-)

Dorfleben...































































Chota

Letzte Woche fuhren wir mit Father Stanny in ein kleines Dorf, welches er vor einigen Jahren betreut hat. Die Salesianer versuchen den Dorfbewohner beizubringen richtig zu wirtschaften, da sie sonst durch die Kreditpolitik der Regierung zu Grunde gehen würden. Trotz der zunehmenden Landflucht leben 90 Prozent der Inder in Dörfern, hier spielt sich wohl das wahre indische Leben ab. Das Dorf ist circa zwei Stunden von Baroda entfernt, erst eine Stunde auf dem "indischen Highway" (Mehr als 70 km/h sind da nicht drin ;-) ) und dann noch eine Stunde durch die Prärie auf einem Holperpfad, dafür aber mit unglaublich schöner Landschaft. Den ersten Stopp machten wir an einer Kultstätte.....keine Ahnung welche Götter da alles verehrt werden, auf jeden Fall standen dort Tausende von Tontieren, in den Baumwipfeln darüber hingen hunderte von Fledermäusen! Hier trafen wir auch einen Einheimischen, welcher uns den Rest der Fahrt begleitete und uns sein Dorf zeigen wollte. Den ganzen Weg durch das Dorf wurden wir von neugierigen Kindern vefolgt...;-) Wir konnten einige Familien und deren Häuser besuchen. Wohnraum, Küche und Stall, alles ein einziger riesiger Raum. Kuehe, Ziegen, Kinder ;-) überall. Die Frauen kochen über offenen Feuerstellen, Die Waende sind mit Goetzenmalereien verziert. Ein Mann drückte uns Pfeil und Bogen in die Hand, welches wirklich noch benutzt wird und ein paar Frauen kleideten uns in deren traditionelle Gewänder. Am Anfang haben sich einige Frauen noch vor uns versteckt, dann wurden sie zutraulicher.....;-) Gegen sechs Uhr wurde es schlagartig kalt und dunkel, wir ertasteten uns den Rückweg zum Jeep. Das Nationaltier Indiens ist übrigens der Tiger ;-). Wiedermal alles Eindrücke, die in Worten einfach nicht widerzugeben sind....Die Armut auf dem Dorf ist allerdings nicht zu vergleichen mit der Armut in der Stadt. Die Menschen im Dorf arbeiten sehr hart, kennen es nicht anders, haben aber die Natur, Platz und das Notwendigste. Sie leben ein einfaches Leben. Allerdings gibt es auch im Dorf Monate, in denen es sehr hart ist und das Leben eher zum Überlebenskampf wird. Die Leute fliehen vom Dorf in die Stadt, weil sie sich dort ein besseres Leben erhoffen. Es gibt für diese Menschen aber keine Arbeit und kein Platz in der Stadt, das Leben ist für sie dann eher ein Dahinvegetieren, kein Sinn, kein Platz, Armut, Keine Nahrung, kein Dach, Vertreibung.......