Ohoh, es wird mal wieder lang,
dafuer wird es ja nicht mehr so viele Berichte geben ;-)�..hmmh, hmmh�..Wo habe ich das letzte Mal aufgehoert? Ostern glaube ich....Also�
Was zuletzt passiert ist ;-)
Raju, Umesh und Aktarali sind nach fast 3 Monaten endlich zurueckgekommen. Die Jungs die Anfang Januar abgehauen sind........Was sie alles durchgemacht haben, wo sie ueberall waren, die Geschichten wuerden den Rahmen sprengen.....Wir sind einfach nur froh, dass sie wieder hier sind....
Fuer unsere grossen Jungs haben sich nun auch wieder ganz neue Moeglichkeiten
ergeben....Eine grosse Firma moechte sie ausbilden, foerdert technische Ausbildung und Englischkurse....Wenn unsere Jungs es durchhalten bekommen sie also eine gute Chance auf dem Arbeitsmarkt....
Ein sehr lustiger Tag war auch hier in Indien der 1.April....Wir waren selbst ueberrascht dass auch hier Aprilscherze bekannt sind, umso lustiger und verwirrender war es dann. Unsere Fathers machten sich einen Spass daraus uns einen Streich zu spielen, wir schafften es aber den Spiess umzudrehen ;-) Dann raechten wir uns an unseren Jungs, schlichen uns nachts in die Schlafsaele und malten sie einfach an....
Den naechsten Tag wurden wir dafuer einige Male ueberfallen ;-)
Die letzten 3 Wochen im April verbrachten wir dann damit die Saele und die Outsidewall zu streichen........So viel Arbeit.......Aber es ist ganz nett
geworden....
Ansonsten gibt es einige Erfolge in den nicht ganz so einfachen Englishclasses, denn gerade in den Ferien hat natuerlich niemand Lust zu lernen, dennoch haben schon viele Kinder das ABC, Farben, Tiere, Tage gelernt und auch einige "Standartsaetze" von uns mit aufgeschnappt.... Nachmittags habe ich nun eine Hobbyclass in der gebastelt, gemalt usw. wird.....
Ausserdem organisierten wir einige Ausfluege fuer alle Kinder in die Umgebung in den Zoo, in einen Park mit Pool.... Wir lernten einige Auslaender, u.a. Eine Deutsche, Canadierin, Schwedin kennen, welche in Baroda leben und sich sehr fuer das Snehalaya interessieren. Sie organisierten einen "Charityball". Mit dem Erloes konnte ein Ausflug in den Waterpark, in die Gandhistadt Ahmedabad finanziert werden. Ausserdem uebernimmt eine grosse Firma die Kosten fuer einen Arzt welcher nun regelmaessige Untersuchungen durchfuehrt.
Abends organisierten wir einige "Nightspecials"....... einfache Fussball, Volleyballturniere, Spiderfootball mit Flutlicht.......oder spezielle Aktionen mit Schminken, Verkleiden usw....Ein Hoehepunkt war wohl auch die "Mime and Beat- Competition"......Eine Art Playbackshow..........Jedes Team musste eine Band stellen, welche dann zu einem ausgewaehlten Song eine Buehnenshow mit Luftgitarre usw. Darstellte....Natuerlich mit den richtigen Kostuemen usw. Auch wir stellten eine Band, Anne als Hippie, Franzi als Schmusesaenger und ich als Punk ;-)
VILLAGEMARRIAGEEin absoluter Kulturhoehepunkt war fuer uns die Einladung auf eine echte Dorfhochzeit. Es war einfach so faszinierend, Indien pur. Als waere man in eine "Welt-der-Wunder- Reportage" gebeamt worden.......So viele Eindruecke, kaum alles aufnehmbar. Wir wohnten ein Wochenende bei einer Familie in einer Huette. Wir halfen ueber offenem Feuer Essen zuzubereiten, wir holten Wasser vom Brunnen. Die atemberaubende Landschaft, die Tiere, die Kinder...Niemand konnte viel Englisch und trotzem verstanden wir uns so gut und die Gastfreundschaft war ueberwaeltigend. Wir wuschen uns hinter einer Strohmatte mit Eimern (die Kinder hatten ihren Spass uns dabei zuzuschauen ;-) )
Wir tanzten im Hochzeitszug mit, der zu einem Baum fuehrte welcher spaeter verehrt wurde, die Braut fuhr auf einem Ochsenkarren hinterher. Vor dem Baum zelebrierten die Maenner ein Ritual, die Braut tanzte auf den Schultern des Vaters und der Brueder. Die Hitze war unertraeglich, der Braeutigam bekam seine Feier in seinem Dorf. Dann der wunderschoene Sonnenuntergang. Danach war es ohne Elektrizitaet auch wirklich dunkel. ;-) Das ganze Dorf versammelte sich zum Essen, die gesamte Hochzeit ging vier Tage mit hunderten Ritualen.....Die Braut sass verschleiert vor einem kleinen Tisch, die Leute brachten ihr und den Eltern Geschenke. Ringsherum sassen circa 100Frauen welche traurige Lieder sungen...Das ganze war eher eine Trauerzeremonie, die Braut weinte den ganzen Tag lauthals....Nach der Hochzeit geht sie quasi in das Eigentum der Familie des Ehemannes, welchen sie erst ein Mal vor der Hochzeit sah, ueber. In das Haus ihrer Eltern wird sie wohl selten zurueck kehren. Ihr Zukunftsplan ist vorgegeben: Kinder, Mann und Haushalt pflegen. Sie ist 17, genau wie ihr Braeutigam. Wieder dieses Unbegreifliche, doch Traditionelle. Ich waer am liebsten zu ihr gegangen, haette gesagt: " wein doch nicht, zieh in eine andere Stadt, mach eine Ausbildung und such dir einen Mann den du liebst". Welten prallen aufeinander.
Wenigstens konnten wir sie fuer einen kurzen Augenblick aufmuntern: Als wir ihr in einem Ritual das Geschenk ueberreichen wollten musste sie ploetzlich anfangen zu lachen, die Frauen stoppten ploetzlich mit ihrem Leidensgesang und fingen auch an zu lachen....Drei weisse Maedels im tiefen Indien ;-)
Am naechsten morgen kam dann der Braeutigam aus seinem Dorf, man mag es glauben oder nicht: auf einem Pferd angeritten, musste einige Rituale ueber sich ergehen lassen, bis er seine Braut dann mitnahm. Wir tranken noch ein Schluck Kokusnussbier, verschenkten unsere Saris und Schmuck an Frauen....Unser "Gastvater" schenkte uns dreien noch selbstgeflochtene Koerbe....zurueck in den Jeep, stundenlang durch Feld und Wiesen gefahren und ploetzlich war ich wieder zurueck gebeamt. Wahnsinn.
Ein paar Tage spaeter folgten wir der Einladung eines Fathers, welcher uns in Bombay Aids- und Slumprojekte vorstellte. So interessante Projekte, die Zahlen zur Aidsinfektion sind auch in Indien erschreckend. Die Zusammenarbeit mit Prostituierten, Selbsthilfegruppen, medizinische Versorgung, Eingliederung in die Gesellschaft, Aufklaerung. Interessante Erfolge, Schicksale und Vorgenhensweisen. Staatliche Schritte gegen "Verstümmelung" usw....
Wer mehr Interesse an der Problematik hat, bitte melden ;-)
Die letzten 2 Wochen waren wir dann damit beschaeftigt ein Zirkusprogramm mit den Kindern fuer die Hochzeit von John, einem Angestellten und Freund einzustudieren...Die Proben liefen wirklich super, mit Clowns, Seiltaenzern, Gewichthebern, Artisten usw. Es war so lustig..........Zur Hochzeit war uns dann eher zum Weinen zu Mute: Es ging alles schief was schief laufen konnte.... Die Musik konnte nicht abgespielt werden, was alle Kinder total irritierte und auch ein wenig den Schwung nahm. Luftballoons platzten an der falschen Stelle, Wind riss das Tuch vom Zauberer weg sodass der Trick verraten wurde, Kinder vergassen ihre Requisiten oder trauten sich ploetzlich nicht mehr auf die Buehne usw. Zu guter letzt fiel noch der letzte Mann der Abschlusspyramide von der Buehne....Achja......Aber vielleicht haben wir die Chance es noch einmal aufzufuehren.
Ansonsten sind die christlichen Hochzeiten hier ja relativ normal. Gut, es kommen halt so ungefaehr 500 Leute zum Essen und verschwinden dann auch recht schnell wieder, dass Brautpaar sitzt die ganze Zeit auf der Buehne und nimmt Glueckwuensche entgegen.......und die Party ist gegen 22Uhr zu Ende und findet ohne Alkohol statt, Gesetz. Aber zumindest die Zeremonie in der Kirche ist recht aehnlich ;-) Wir nutzten die Gelegenheit uns mal wieder traditionell im Sari und mit neuen Mahendiverzierungen zu zeigen um ein wenig indisch auszusehen ;-)
Auch Johns Jungesellenabschied war recht lustig, besonders weil es Tradition ist auf den Koepfen des Braeutigams und des Trauzeugens Eier zu zerdeppern ;-)
Diese Woche mussten wir nun auch schon die ersten schmerzlichen Abschiede hinter uns bringen! Father Stanny wird in ein anderes Projekt versetzt. Er begleitete uns das ganze Jahr ueber, half wo er nur konnte, nahm uns ein bisschen als seine Schuetzlinge an. Durch seine durchaus lustige Art hatten wir auch immer eine Menge Spass am Tisch, im Kino, bei Ausfluegen, bei der Arbeit.... ;-)
Letzten Montag brach Fakru auf um seine Familie zu suchen. Er ist 17 Jahre alt, hat hier im Snehalaya mitgeholfen und gelebt, wir waren also jeden Tag mit ihm zusammen....Wir sind richtige Freunde geworden, trotz seines Schicksals, oder vielleicht gerade deswegen ist er ein so faszinierender Junge.... Clever, talentiert, hoeflich und verdammt witzig ;-) Er verlor mit 11 Jahren seinen Grossvater mit dem er unterwegs war auf einem Bahnhof. Dadurch kam er ins Snehalaya, konnte sich jedoch kaum an seine Heimat errinnern, da es eine Art "Normadenfamilie" war... Jetzt nach 6 Jahren bricht er auf um seine Familie zu suchen. Die 3tagesfahrt hat er nun bald hinter sich und wir fiebern mit. Dennoch, ob er seine Familie finden wird oder nicht, ein Happy End wird es wohl kaum geben....
Letzte Woche hatten zwei unserer grossen Jungs einen schweren Unfall. Mukesh wurde vom Auto angefahren, die Raeder rollten ueber sein Bein. Es sieht schlecht aus, aber die Aerzte versuchen alles um das Bein zu retten.
MUSICAL
Eigentlich dachten wir, es wuerde nun endlich mal ein wenig ruhiger werden, nix da. Brother Charles welcher fuer 2 Monate im Snehalaya half und sehr musikalisch ist wurde von Fr. Roger dazu verdonnert ein Musical mit unseren Kindern aufzufuehren. ;-)Dieser komponierte also alle Lieder und dachte sich das Stueck selbst aus....Letztes Wochenende fingen dann langsam die Proben an, naechsten Sonntag ist die Aufuehrung. Ueber 1000 Flyer und Einladungen wurden verteilt. Keine Ahnung wie wir es schaffen sollen, sind nun aber am Taenze einstudieren, Buehnenbild gestalten usw.... Wir werden sehen, in Indien ist ja nichts unmoeglich ;-) Die Proben laufen bis spaet in die Nacht....
Das wars nun aber auch wirklich. Wir bekommen langsam ein mulmiges Gefuehl, immerhin bleiben uns jetzt nur noch 2 Monate. Gerade jetzt wenn man mit den Kindern, der Kultur usw. So vertraut ist....
Bis Bald!!
Anna
P.S. der Bericht ist nun schon ein wenig veraltet....NEWS: Das Musical gestern abend lief super, es war einfach wunderschoen, schade dass es nur ein Auffuehrung gibt....
Fakru hat wirklich seine Familie gefunden!! Eine richtige Vater-Sohn- Geschichte, unglaubliche Szenen, er wurde freudig aufgenommen, bleibt nun noch eine Woche dort bevor er zurueckkommt.